Kategoriearchiv: International 2015

Rennen ausserhalb Deutschlands

Weltcup – Valkenburg 2014

Wie bereits in den vergangenen Jahren war es an Valkenburg aan de Geul, das Eröffnungsrennen des UCI Weltcup zu veranstalten. Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen an diesem Oktoberwochenende ließen leichte Zweifel aufkommen, ob denn wirklich schon Cross-Saison sei. Doch die Strecke unterhalb des Casinos am legendären Cauberg bewies wieder einmal, dass sie eines Weltcups mehr als würdig sei.

Eröffnet wurde dieser Renntag mit dem Rennen der Junioren. Und wie schon in den vorangegangen Rennen dominierte Eli Iserbyt das Geschehen. Der belgische Meister setzte sich beinahe sofort vom restlichen Feld ab, und es war schnell klar, dass sich die restlichen Fahrer nur noch um die verbleibenden Podiumsplätze bewerben durften. Max Gulickx sicherte sich recht ungefährdet den zweiten Platz, und der Schweizer Meister Johan Jacob, der lange mit Gulickx gefahren war, verteidigte den dritten Platz gegen den stärker werdenden Thomas Bonnet.

Uphill wheelie of Johan Jacob

Mit Spannung wurde das Rennen in der U23-Kategorie erwartet. Mussten sich doch die besten Fahrer dieser Klasse zum ersten Mal mit dem niederländische Supertalent Mathieu van der Poel in ihrer eigenen Kategorie messen. Nach seinen Erfolgen in Gieten und Ronse war van der Poel der haushohe Favorit. Alles schien auch nach Plan zu laufen, als der niederländische Meister zur Hälfte der ersten Runde in Führung lag. Doch erstens kommte es anders als man zweitens meistens denkt. Vorjahressieger Michael Vanthourenhout war nicht gewillt des Rennen kampflos an Mathieu abzugeben, und so gingen die beiden Kopf an Kopf in die zweite Runde. Nach technischen Schwierigkeiten des Niederländers konnte sich Vanthourenhout absetzen und fuhr von nun an ein einsames Rennen. Van der Poel, der vielleicht seiner eigenen Nervosität zum Opfer fiel, musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen und landete am Ende erschöpft auf dem siebten Rang. So machte sich der Franzose Fabien Doubet auf die Jagd nach dem einsam Führenden. Weltmeister Wout van Aert war mässig ins Rennen gestartet und musste hart kämpfen, um den Anschluss an die Führenden zu finden. Und so dauerte es auch bis zur letzten Runde, bis der Weltmeister den zweitplatzierten Franzosen passieren konnte.

Hop weg met de fiets

Die zweite Hälfte des Renntages wurde durch das Rennen der Damen eröffnet. Mittlerweile ware die Temperaturen über die 20 Grad-Marke gestiegen und die Jury erlaubte die Annahme von Getränken im Materialdepot. Das Rennen der Damen begann mit einer Schweigeminute im Gedenken an Annefleur Kalvenhaar, die während der XCE Qualifikation beim Weltcup Rennen in Montafleur tödlich verunglück war.

Pavla Havlikova starte als Schnellste und führte das Feld ins Gelände, doch sie konnte sich nicht entscheidend absetzen und wurde schnell vom Feld wieder gestellt. So bildete sich dann eine Führungsgruppe mit Europameisterin Helen Wyman, der belgischen Meisterin Sanne Cant, der erneut stark fahrenden Sophie de Boer sowie den beiden Telenet-Fahrerinnen Ellen van Loy und Nikki Harris. Einzig die gerade aus den USA angekommene Favoritin Katie Compton fehlte. Die letzjährige Gesamtsiegerin des Weltcups war im Pulk stecken geblieben und fiel auf Grund von technischen Problemen zunächst auf einen Rückstand von gut dreissig Sekunden auf die Führenden zurück. Doch kein Grund zur Panik für die Amerikanerin. Beständig arbeitete sie sich nach vorne und schloss nach zwei Dritteln der Rennzeit zu der Führungsgruppe auf. Ohne lange zu warten fuhr sie weiter nach vorne und übernahm zwei Runden vor Schluss die Führung von Helen Wyman. Die amerikanische Meisterin ließ sich nun nicht mehr aufhalten, und so gewann Katie Compton dann auch mit klarem Vorsprung vor Helen Wyman. Sophie de Boer bewies erneut ihre exzellente Form und komplettierte das Podium.

Sophie de Boer and Nikki Harris struggle in the climb

Bei dem abschliessenden Elite Rennen war der Gesamtsieger des vorigen Jahres Lars van der Haar sicherlich der grösste Favorit. Hier vor seinem Heimpublikum wollte er natürlich seinen Vorjahreserfolg wiederholen. Als bekannt guter Starter übernahm er sofort die Führung und bog als erster ins Gelände ab. Ob des grossen Teilnehmerfeldes begann das Rennen ziemlich hektisch. Für den Amerikaner Jonathan Page war das Rennen praktisch schon gelaufen, als er sich im Gewühl das Schaltwerk abriss und eine Laufeinlage bis zur ersten Passage absolvieren musste. Derweil attackierte Lars van der Haar weiter und baute sofort seinen Vorsprung aus. Nach kurzer Zwischenpause, in der Kevin Pauwels und Tom Meeusen noch einmal zu dem niederländischen Meister aufschliessen konnten, beschleunigte van der Haar erneut. Diesmal konnte Kevin Pauwels als einziger folgen und die beiden setzten sich schnell vom Rest des Feldes ab. Als Pauwels sich dann in einer Spurrille verfing und kurz zu Boden ging, war Lars van der Haar wieder der alleinige Führende, und daran sollte sich auch bis zum Rennende nichts mehr ändern.

Hinter dem Amersfoorter entwickelte sich ein spannender Wettkampf um die verbleibenden Podiumsplätze. Nach seinem Sturz wurde Kevin Pauwels wieder von Tom Meeusen eingeholt. Dem Duo folgte mit kurzem Abstand Klaas Vantornout  und Philipp Walsleben. Der Belgier aus Torhout und die Postdamer konnten bald zu den beiden Verfolgern aufschliessen, und so wurde aus dem Verfolgerduo noch ein Quartett. Hinter dieseer Gruppe, die sich nun auf die Verfolgung des Führenden machten, fuhr mit wenigen Sekunden Abstand ein Duo der beiden Telenet-Fidea-Fahrern Thijs van Amerongen und Corne van Kessel stets in Sichtweite zu den vier vor ihnen Fahrenden, schafften es jedoch lange Zeit nicht, aufzuschliessen. Erst als das vorausfahrende Quartett ein wenig das Tempo rausnahm und begann, für die Schlussrunde zu taktieren, konnten die beiden aufschliessen. Während sich Kevin Pauwels noch einmal entscheidend absetzen konnte, enwickelte sich unter dem Rest ein erbitterter Kampf um den letzten Podiumsplatz. Am Ende konnte sich ein überglücklicher Corne van Kessel durchsetzen und erkämpfte den letzten Platz auf dem Treppchen.

Lars van der Haar impressive

Exhausted

Superprestige Gieten 2014

Bisher wurde dieses Rennen immer am letzten Sonntag im November ausgetragen. In diesem Jahr fand erstmalig in der niederländischen Provinz Drenthe die Eröffnung der 35. Austragung des „Hans Grohe Superprestige“ und damit das erste grosse Rennen der neuen Cross-Saison statt. Während in den vergangenen Jahren oftmals einige der Spitzenfahrer dem Rennen ob der relativ grossen Entfernung zu Belgien und dem Rennen des Vortages fernblieben, waren in diesem Jahr praktisch alle Renner zur Strecke am Nijslootweg angereist.

Die Mitglieder der Stichting Wielerpromotion Oostermoer waren im vorigen Jahr wieder an diesen ursprünglichen Austragungsort zurückgekehrt. Rund um den kleinen See in der ehemaligen Sandgrube war eine schnelle, aber durchaus anstrengende Strecke auf dem für diese Region typischen sandigen Untergrund abgesteckt. Obwohl es nach den sonnigen Vortagen an diesem Tag merklich regnete, nahm die Strecke kaum Feuchtigkeit an, und so stand den Fahrern und den Zuschauern ein Hochgeschwindigkeitsrennen bevor.

Bei den Nieuwelingen bildete sich eine Vierergruppe aus Arno Debier, Wim Wittenberg, Luca Vreeswijk und Thymen Arensman, die recht bald einen kleinen Vorsprung erarbeitet hatte. Kurz vor dem Ende setzten sich dann Arno Debier und Wim Wittenberg von ihren beiden Mitstreitern ab. Arno Debier (Lares-Doltcini) konnte sich am Ende im Sprint durchsetzen und gewann vor Wim Wittenberg (JvR der Batauwers). Luca Vreeswijk sicherte sich den verbleibenden Podiumsplatz.

Im Rennen der Junioren ging Eli Yserbit nach den beiden Siegen in Erpe und Neerpelt als Favorit an den Start. Hier bildete sich recht schnell eine Gruppe aus fünf Fahrern in der neben dem belgischen Meister auch der Schweizer Meister Johan Jacobs  vetreten war. Nach der Hälfte des Rennens wurde die Gruppe durch einen Angriff von Max Gulickx (Young Telenet Fidea) gesprengt. Von da an bestimmten Gulickx und sein Teamkollege Yserbit das Rennen. Der belgische Meister konnte dann auch ungefährdet seinen dritten Sieg im dritten Rennen einfahren, Gulickx erreichte den zweiten Platz und Johan Jacobs komplettierte das Podium.

Das Rennen der Damen war von einem engen und durchaus spannenden Dreikampf zwischen Ellen van Loy, Sophie de Boer und Sanne Cant geprägt. Lange sah es so aus als könnte die laufstarke Ellen van Loy das Rennen für sich entscheiden, aber letztendlich siegte Sanne Cant im Sprint vor der sympathischen Faherin aus Herenthout. Sophie de Boer komplettierte im ersten Rennen für ihr neues Team (NNOF Kalas) das Podium. Selten freute sich jemand mehr über den eigentlich undankbaren vierten Platz als Sanne van Paassen, die nach ihrem vorzeitigen Saisonende im letzten Jahr hier ihr erfolgreiches Comeback feierte.

Bei den Beloften war die grosse Frage, mit welcher Form Wout van Aert angereist war. Der Weltmeister musste ja nach seinem Schlüsselbeinbruch seine Saisonvorbereitung verschieben. Erst kurz vor dem Rennen bekam er das OK seiner Ärzte für einen Start. Von daher war es fraglich, wie er sich hier schlagen würde. Recht schnell konnte sich eine Gruppe mit allen Favoriten unter der Führung von Europameister Michael Vanthourenhout absetzen und das Rennnen bestimmen. Kurz vor Rennende liess Wout van Aert seine Mitstreitern keine Chance und fuhr einen ungefährdeten Sieg ein. Vanthourenhout musste seinem Rennen Tribut zollen, wurde in der letzten Runde von den beiden Brüdern Laurens und Diether Sweeck, die sich Platz 2 und 3 teilten, überholt und erreichte am Ende leicht enttäuscht den vierten Platz.

Vor dem Start des Eliterennens wurde eine Gedenkminute zu Ehren von Marc van Landeghem abgehalten, der in dieser Woche überraschend während seines Besuchs bei der Weltmeisterschaft  im spanischen Ponferrada verstorben war. Marc war der Pressechef bei nahezu allen grossen belgischen Renenn und den wichtigen Cross-Serien auf niederländischem und belgischem Boden.

Doch dann sollte das Eliterennen beginnen. Viel beachtet startete Mathieu van der Poel bei diesem Rennen nicht in bei der U23, sondern wollte sich vor seinen Landsleuten im Eliterennen zeigen. Sven Nys zählte den gerade einmal 19jährigen Niederländer neben dessen Landsmann Lars van der Haar zu den grossen Favoriten, und er sollte Recht behalten. Während der belgische Meister einen schlechten Start erwischte und erst als 35ter ins Gelände einbog, schoss van der Haar wie gewohnt schnell aus der Startaufstellung los, musste aber an der Kurve ins Gelände dem dort schnelleren van der Poel den Vortritt lassen.

Sofort entwickelte sich ein äusserst schnelles Rennen, das in der ersten Runde bereits einen völlig gelöst und aktiv fahrenden van der Poel sah. Schnell war das Feld in die Länge gezogen, und die belgischen Kommentatoren, waren ob der Position von Nys schon ein wenig nervös. In der zweiten Runde verlor der junge Niederländer viel Zeit durch eine verklemmte Kette und fand sich plötzlich in der Nähe von Sven Nys wieder. An der Spitze forcierte derweil sein Landsmann van der Haar das Tempo und konnte sich mit Kevin Pauwels vom Rest des Feldes lösen. Als dann noch der bis dahin stark fahrende Tom Meusen mitten in der kurvigen Berg und Talbahn zu Sturz kam und alle nachfolgenden Fahrer aufhielt, schien das Rennen bereits gelaufen zu sein. Einsam zogen Pauwels und van der Haar jetzt ihre Runden.

Unterdessen machten Nys und van der Poel nun erstmal gemeinsame Sache und konten sich so nach und nach um etliche Positionen verbessern. An der Spitze schien sich ein starker Zweikampf zwischen van der Haar und Pauwels zu entwickeln, aber mit steigender Renndauer zeichnete sich immer mehr ab, dass Pauwels auf Dauer nicht mit dem niederländischen Meister Schritt halten konnte. Folgerichtig setzte sich van der Haar dann auch langsam, aber sicher vom immer müder wirkenden Pauwels ab. Aber er sollte die Rechnung ohne seinen jungen Landsmann gemacht haben. Lag Mathieu drei Runden vor Schluss noch knapp dreissig Sekunden hinter van der Haar auf dem dritten Platz, so tauchte er eingangs der letzten Runde direkt hinter van der Haar auf.
Diese letzte Runde wurde augenblicklich zu einem packenden Wettstreit der beiden Niederländer. Im vorletzten Anstieg des Tages beschleunigte der Youngster vom BKCP Powerplus Team noch einmal im Sand, und van der Haar musste machtlos zusehen, wie sich Poupous Enkel absetzte. Obwohl der niederländische Meister auf der Zielgrade noch einmal alles gab, überquerte er die Ziellinie als zweiter zwei Sekunden hinter dem erschöpften und überglücklichen Mathieu. Sven Nys, der vor dem Rennen einen Platz unter den Top 5 als persönliches Ziel ausgegeben hatte, überholte in der Schlussrunde noch den immer mehr nachlassenden Pauwels und dessen Teamkameraden Klaas Vantornout und fuhr damit auf den letzten verbliebenen Podiumsplatz.