Europameisterschaft Lorsch

Seit etlichen Jahren ist Lorsch als Austragungsort hervorragender Cyclocross-Rennen in Deutschland bekannt. Das Team um die Radsportlegende Algis Oleknavicius versteht es wie kaum jemand anderes in Deutschland, ein gut organisiertes Cross-Event internationalen Massstabs in eine deutsche Innenstadt zu bringen. Und so war es auch folgerichtig, dass nach dem Ausfall des ursprünglich vorgesehenen Austragungsorts St. Wendel die Wahl auf Lorsch fiel.

Nachdem bei den deutschen Meisterschaften 2011 die berühmte Lorscher Wiese im Schlamm ertrunken war, hatten einige die Befürchtung, dass eine ähnliche Schlammschlacht drohen könnte. Aber der Wettergott hatte ein Einsehen mit Fahrern und Zuschauern, und so war die Wiese nicht nur gut befahrbar, sondern es kam zu sehr schnellen, aber auch kräftezehrenden Rennen. Nicht zuletzt die vielen Richtungswechsel innerhalb kürzester Distanz waren eine extreme Herausforderung für die Sportlerinnen und  Sportler.

Bei den Junioren gab es eigentlich kaum Zweifel wer der neue Europameister werden würde. Eli Iserbyt gewann bisher jedes Rennen, in dem er am Start war, und so war es auch nicht verwunderlich, dass er in Lorsch als erster den Zielstrich überquerte. Der Schweizer Meister Johan Jacobs kämpfte lange auf der zweiten Position, musste sich aber am Ende dem immer stärker aufkommenden Jappe Jaspers geschlagen geben. Dies war vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Jury dieses Rennen extrem lange laufen liess, so dass die Renndauer am Ende fast fünfzig Minuten betrug anstatt der sonst üblichen vierzig Minuten.

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Eli Iserbyt auch in Lorsch unbezwingbar

Bei den Juniorinnen war das Rennen wesentlich offener, und am Ende konnte sich eine überglückliche Sabrina Stultiens im Schlusspurt gegen die ebenfalls sehr stark fahrende Tschechin Martina Mikulaskova durchsetzten. Die Bronzemedaille ging an die Italienerin Alice Maria Arzuffi.

Glück

Glück

Nachdem in der U23 die niederländische Hoffnung Mathieu van der Poel nicht startete, bestand eigentlich kein Zweifel daran, dass das restliche Fahrerfeld nur um die weiteren Plätze hinter Weltmeister Wout van Aert kämpfen würde. Und so kam es dann auch. Nach der Hälfte der Distanz verabschiedete van Aert sich von seinen Mitbewerbern und fuhr einen ungefährdeten Sieg heraus. Sein Landsmann Laurens Sweeck sorgte für den zweiten belgischen Doppelsieg des Tages. Bronze ging an den tschechischen Fahrer Jakub Skala. Titelverteidiger Michael Vanthourenhout musste nach technischem Defekt alle Chancen begraben und konnte dem Renenn nur noch enttäuscht als Zuschauer beiwohnen.

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Doch der belgische Triumphtag sollte noch nicht zu Ende sein. Bei den Damen kam es zu dem spannendsten Rennen des Tages. Lange Zeit war das Rennen völlig offen.  So bildete sich eine grosse Gruppe von Fahrerinnen. Mit den zwei Britinnen Nikki Harris und Helen Wyman, den drei Belgierinnen Sanne Cant, Ellen van Loy und Jolien Verschueren, der Niederländerin Sanne van Paassen und der Tschechin Pavla Havlikova waren sieben Fahrerinnen innerhalb weniger Sekunden unterwegs.  Am Ende konnte Sanne Cant sich knapp vor Pavla Havlikova behaupten, Nikki Harris komplettierte das Podium. Die Titelverteidigerin Helen Wyman kam 15 Sekunden hinter ihrer Teamkollegin Harris als Vierte ins Ziel.

Sanne Cant wird Europameisterin Lorsch-37